Diversitätsbewusste Kommunikation
Menschen nicht auf Herkunft, Aussehen oder „Kultur" reduzieren
Beiträge sollten Menschen nicht über vermeintlich „fremde" Merkmale markieren. Orientalistische Darstellungen arbeiten oft mit dem „Mystischen" oder „Fremden". Diversitätsbewusste Kommunikation zeigt Menschen als komplexe Subjekte statt als kulturelle Projektionsflächen.
Exotisierung aktiv vermeiden
Exotisierung wirkt oft subtil – durch Bildsprache, Musik oder Themenwahl. Problematisch: wenn migrantische, muslimische oder asiatische Personen vor allem sichtbar werden, wenn sie „anders" erscheinen. Leitfrage: Würden wir dieselbe Darstellung auch bei weißen Mehrheitsangehörigen wählen?
Orientalismuskritische Sprache und Bildwahl entwickeln
Wörter wie „der Orient" oder pauschale Rede über „die arabische Welt" reproduzieren koloniale Blickregime. Besser: präzise, kontextbezogene Benennungen. Bilder sollten keine stereotypen Erwartungen bedienen – Fokus auf Kopftücher, Basare oder Wüstenästhetik ist zu vermeiden.
Adultismus ernst nehmen
Kinder und Jugendliche sollten nicht nur als passive Schutzbedürftige erscheinen. Diversitätsbewusste Kommunikation fragt: Werden junge Menschen mit eigener Perspektive sichtbar? Junge Menschen sind nicht nur Zielgruppe, sondern Akteur*innen.
Sexistische und heteronormative Muster durchbrechen
Öffentlichkeitsarbeit sollte Geschlechterrollen nicht unkritisch wiederholen. Ebenso problematisch ist die Annahme, alle Menschen lebten heterosexuell oder in klassischen Familienmodellen. Verschiedene Lebensweisen sichtbar machen – ohne sie zu sensationalisieren.
Antischwarzen Rassismus explizit mitdenken
Antischwarzer Rassismus hat eigene historische und mediale Muster: Unsichtbarmachung, Tokenismus, Reduktion auf Leid. Gute Social-Media-Arbeit zeigt Schwarze Personen nicht nur in Zusammenhang mit Diskriminierung, sondern auch in Professionalität, Kreativität und Alltag.
Betroffene nicht nur zeigen, sondern beteiligen
Diversitätsbewusste Öffentlichkeitsarbeit entsteht nicht allein durch gute Absichten. Wer spricht? Wer entscheidet? Wer wird nur dargestellt und wer darf selbst formulieren? Beteiligung ist zentral, um paternalistische oder rassifizierende Verzerrungen zu vermeiden.
Regelmäßig auf Stereotype und Ausschlüsse prüfen
Vor der Veröffentlichung: Reflexionsschleife. Reproduziert der Beitrag ein Klischee? Wer fehlt völlig? Diversitätsbewusste Öffentlichkeitsarbeit ist kein einmal erreichter Zustand, sondern eine kontinuierliche Praxis kritischer Selbstprüfung.
Darstellung von Menschen mit Behinderung reflektieren (Ableismus vermeiden)
Menschen mit Behinderung sollten weder als „Held*innen" noch als „Opfer" dargestellt werden. Beide Extreme — Heroisierung und Viktimisierung — reproduzieren ableistische Narrative. Wichtig ist eine Darstellung, die Alltag, Selbstbestimmung und Vielfalt zeigt. Zudem sollte geprüft werden, ob Barrieren (fehlende Untertitel, unklare Bildbeschreibungen, komplizierte Sprache) Menschen ausschließen.
Leitfragen für die Praxis
- Ist der Beitrag wirklich notwendig oder reproduziert er nur Aufmerksamkeit durch Darstellung von Menschen?
- Ist es für die Öffentlichkeitsarbeit überhaupt nötig, Menschen abzubilden?
- Sollten Kinder in diesem Kontext dargestellt werden – und wenn ja, warum und unter welchen Bedingungen?
- Werden Menschen auf Differenzmerkmale reduziert oder in ihrer Komplexität gezeigt?
- Werden stereotype Bilder oder Narrative (bewusst oder unbewusst) reproduziert?
- Wer spricht im Beitrag – und wer wird nur gezeigt?
- Welche Perspektiven fehlen?
- Werden Machtverhältnisse sichtbar gemacht oder unsichtbar gehalten?