Lernmodul · Diversität & Kommunikation

9 Punkte für eine
diversitätsbewusste
Öffentlichkeitsarbeit

Grundsätze für eine kritisch-reflektierte Kommunikation in den sozialen Medien — für NGOs, Vereine und Verbände.

9 Grundsätze

Diversitätsbewusste Kommunikation

01

Menschen nicht auf Herkunft, Aussehen oder „Kultur" reduzieren

Beiträge sollten Menschen nicht über vermeintlich „fremde" Merkmale markieren. Orientalistische Darstellungen arbeiten oft mit dem „Mystischen" oder „Fremden". Diversitätsbewusste Kommunikation zeigt Menschen als komplexe Subjekte statt als kulturelle Projektionsflächen.

02

Exotisierung aktiv vermeiden

Exotisierung wirkt oft subtil – durch Bildsprache, Musik oder Themenwahl. Problematisch: wenn migrantische, muslimische oder asiatische Personen vor allem sichtbar werden, wenn sie „anders" erscheinen. Leitfrage: Würden wir dieselbe Darstellung auch bei weißen Mehrheitsangehörigen wählen?

03

Orientalismuskritische Sprache und Bildwahl entwickeln

Wörter wie „der Orient" oder pauschale Rede über „die arabische Welt" reproduzieren koloniale Blickregime. Besser: präzise, kontextbezogene Benennungen. Bilder sollten keine stereotypen Erwartungen bedienen – Fokus auf Kopftücher, Basare oder Wüstenästhetik ist zu vermeiden.

04

Adultismus ernst nehmen

Kinder und Jugendliche sollten nicht nur als passive Schutzbedürftige erscheinen. Diversitätsbewusste Kommunikation fragt: Werden junge Menschen mit eigener Perspektive sichtbar? Junge Menschen sind nicht nur Zielgruppe, sondern Akteur*innen.

05

Sexistische und heteronormative Muster durchbrechen

Öffentlichkeitsarbeit sollte Geschlechterrollen nicht unkritisch wiederholen. Ebenso problematisch ist die Annahme, alle Menschen lebten heterosexuell oder in klassischen Familienmodellen. Verschiedene Lebensweisen sichtbar machen – ohne sie zu sensationalisieren.

06

Antischwarzen Rassismus explizit mitdenken

Antischwarzer Rassismus hat eigene historische und mediale Muster: Unsichtbarmachung, Tokenismus, Reduktion auf Leid. Gute Social-Media-Arbeit zeigt Schwarze Personen nicht nur in Zusammenhang mit Diskriminierung, sondern auch in Professionalität, Kreativität und Alltag.

07

Betroffene nicht nur zeigen, sondern beteiligen

Diversitätsbewusste Öffentlichkeitsarbeit entsteht nicht allein durch gute Absichten. Wer spricht? Wer entscheidet? Wer wird nur dargestellt und wer darf selbst formulieren? Beteiligung ist zentral, um paternalistische oder rassifizierende Verzerrungen zu vermeiden.

08

Regelmäßig auf Stereotype und Ausschlüsse prüfen

Vor der Veröffentlichung: Reflexionsschleife. Reproduziert der Beitrag ein Klischee? Wer fehlt völlig? Diversitätsbewusste Öffentlichkeitsarbeit ist kein einmal erreichter Zustand, sondern eine kontinuierliche Praxis kritischer Selbstprüfung.

09

Darstellung von Menschen mit Behinderung reflektieren (Ableismus vermeiden)

Menschen mit Behinderung sollten weder als „Held*innen" noch als „Opfer" dargestellt werden. Beide Extreme — Heroisierung und Viktimisierung — reproduzieren ableistische Narrative. Wichtig ist eine Darstellung, die Alltag, Selbstbestimmung und Vielfalt zeigt. Zudem sollte geprüft werden, ob Barrieren (fehlende Untertitel, unklare Bildbeschreibungen, komplizierte Sprache) Menschen ausschließen.

Leitfragen für die Praxis

Leitgedanke
Nicht nur Ist der Beitrag gut gemeint?
Sondern Welche Bilder, Normen und Hierarchien werden durch ihn stabilisiert oder verschoben?