Wer heute über soziale Medien spricht, denkt oft noch an Jugendliche, Trends und
„TikTok-Politik". Dabei verändert sich die digitale Öffentlichkeit längst auch in
die andere Richtung: Ältere Menschen gehören inzwischen zu den am stärksten
wachsenden Nutzergruppen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nutzten 2025 59 % der 16- bis 74-Jährigen
in Deutschland aktiv soziale Medien (2021: 47 %). Besonders bemerkenswert ist der
Zuwachs bei älteren Altersgruppen: Bei den 55- bis 64-Jährigen stieg der Anteil von
29 % auf 42 %, bei den 65- bis 74-Jährigen auf 25 %.
„Sichtbar aufholen"
Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 beschreibt diesen Prozess als eine Art „Lebenszyklus"
der Plattformen: Jüngere setzen Trends, während ältere Nutzer*innen auf etablierten
Plattformen nachziehen. Der relevante Punkt ist nicht nur, dass ältere Menschen
dazukommen, sondern wie sich dadurch das politische Kommunikationsfeld verändert:
Reichweiten, Sichtbarkeit und Debattenlogiken verschieben sich.
Warum das politisch extrem relevant ist
Diese Entwicklung fällt zudem mit einer alternden Bevölkerungsstruktur zusammen.
Ältere Menschen werden damit nicht automatisch zur „mächtigsten" Wählergruppe, aber
sie werden kommunikativ wichtiger: Wer sie in der digitalen Ansprache nicht mitdenkt,
verfehlt einen wachsenden Teil der Öffentlichkeit.
Für politische und zivilgesellschaftliche Kommunikation heißt das, Themen wie Rente,
Pflege, Gesundheit, Sicherheit oder Wohnen stärker so zu rahmen, dass sie
unterschiedliche Lebensrealitäten anschlussfähig und verständlich adressieren.
Die mächtigste Gruppe wird digital kaum adressiert
Trotz dieser Entwicklung werden ältere Menschen in Social Media oft weiterhin als
„Sonderfall" behandelt: als spät Zugekommene, als wenig kompetent, als Zielgruppe
für Digital-Nachhilfe — und politisch erstaunlich selten als das, was sie sind: ein
wachsender und zunehmend präsenter Teil der digitalen Öffentlichkeit.
Das ist eine sowohl strategische als auch demokratische Herausforderung. Denn wenn
politische Akteur*innen diese Gruppe nicht explizit ansprechen, überlassen sie das
Feld anderen.
Neue politische Öffentlichkeit, neue Anschlussstellen
Für die zivilgesellschaftliche Kommunikation heißt das: Sie muss künftig stärker
Inhalte und Anschlussstellen entwickeln, die ältere Menschen ausdrücklich mitdenken.
Themen wie Diversitätsbewusstsein oder Antidiskriminierung sind dabei zentral und
sollten so gerahmt werden, dass sie nachvollziehbar an die Lebenswirklichkeiten
unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen anknüpfen.
Wer ältere Menschen digital nicht mitdenkt, verfehlt einen wachsenden Teil der Öffentlichkeit.
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